Ich habe lange gedacht,
ein offener Rahmen sei menschlicher.
Begleitend.
Zugewandt.
Sicher.
Heute sehe ich es anders:
Er war oft bequem.
Für beide Seiten.
Ein offener Rahmen lässt Auswege.
Und Auswege werden genutzt.
Nicht aus Unwillen.
Sondern aus Klugheit.
Wer weiß,
dass da jemand ist,
der mitträgt,
der auffängt,
der erreichbar bleibt,
gibt ab.
Das ist vernünftig.
Und es kann genau das verhindern,
worum es eigentlich ging:
dass du es selbst hältst.
Warum die Anzahl der Sitzungen feststeht
Nicht, weil Entwicklung planbar wäre.
Sondern weil sie sonst leicht zerfasert.
Meine Erfahrung:
Wenn klar ist, dass etwas ein Ende hat,
wird die Zeit dazwischen anders genutzt.
Offene Prozesse erzeugen Bewegung.
Oft aber auch Daueranspannung.
Bin ich schon da?
Kommt da noch was?
Muss ich noch tiefer?
Das sieht aus wie Entwicklung.
Oft ist es Beschäftigung.
Ein klar begrenzter Rahmen sagt etwas anderes:
Hier lohnt es sich, präsent zu sein.
Nicht alles auf später zu verschieben.
Nicht innerlich auszuweichen.
Begrenzung schafft Fokus.
Nicht Druck.
Fest ist der Rahmen. Nicht der Inhalt.
Eine Sitzung.
Drei in ungefähr vier Wochen.
Acht in ungefähr zwölf.
Das steht vorher fest.
Was nicht feststeht:
woran wir arbeiten.
Ich plane keine Inhalte vorab.
Ich weiß in der ersten Sitzung nicht,
was in der dritten dran ist.
Und ich entscheide nicht,
was in deinem Leben relevant ist.
Das zeigt sich zwischen den Sitzungen.
In deinem Alltag.
Der Weg bleibt offen.
Der Rahmen nicht.
Warum ich nicht mitlaufe
Du kennst das aus deiner eigenen Praxis.
Zwischen zwei Terminen kommt eine Nachricht.
Nur kurz.
Ob das normal ist.
Ob sie das richtig verstanden hat.
Und du antwortest.
Weil du es kannst.
Und weil es freundlich ist.
Nachfragen.
Abgleichen.
Beruhigen lassen.
Das ist menschlich.
Und es verschiebt etwas:
Sortiert wird dann bei dir.
Nicht bei ihr.
Ich will nicht,
dass meine Ruhe
oder meine Verfügbarkeit
zu dem Ort wird, an dem ein anderer Mensch sich sortiert.
Nicht, weil mir Menschen egal sind.
Sondern weil ich ihnen zutraue,
das selbst zu halten.
Zwischen den Sitzungen führst du dein Leben.
Was sich dort zeigt, nehmen wir wieder mit in die Arbeit.
Was zwischen den Sitzungen passiert
Zwischen zwei Sitzungen findet das echte Leben statt.
Dort zeigt sich, was tatsächlich verfügbar ist.
Und was erneut relevant wird.
Wenn es nach einer Sitzung unruhig wird,
ist das nicht automatisch ein schlechtes Zeichen.
Manchmal sortiert sich gerade etwas.
Manchmal ist es einfach Müdigkeit.
Manchmal ist gar nichts.
Das gilt für Unruhe.
Nicht für echte Not.
Wenn es dir wirklich nicht gut geht,
ist Aushalten nicht die Aufgabe.
Dann gehört das in ärztliche oder therapeutische Hände.
Ich arbeite nicht daran,
dass du dich nach der Sitzung besser fühlst.
Mich interessiert,
was in deinem Leben anders läuft.
Und das lässt sich schlecht herausfinden,
wenn außen ständig nachkorrigiert wird.
Warum nicht alles sofort eine Antwort braucht
Nicht alles, was sich meldet,
braucht sofort eine Antwort.
Manches braucht Raum.
Manches braucht Zeit.
Manches braucht nur, dass niemand eingreift.
Kein Nachjustieren.
Kein Abfedern.
Kein Halten von außen.
Das ist nicht immer angenehm.
Aber es ist ehrlich.
Warum Begrenzung hier Absicht ist
Ich begrenze nicht,
weil ich weniger geben will.
Ich begrenze,
weil die Arbeit sonst zerläuft.
Ein offener Raum ist freundlich.
Ein klarer Raum nimmt dich ernst.
Und das braucht manchmal etwas,
das unbequem ist:
Kein Ausweichen.
Zum Schluss
Ich arbeite nicht so,
weil es sich gut anfühlt.
Ich arbeite so,
weil ich gesehen habe,
was sonst passiert.
Menschen bleiben länger.
Verstehen mehr.
Und verändern weniger.
Ein fester Rahmen ist kein Mangel an Mitgefühl.
Er ist meine Art, dir etwas zuzutrauen.
Den Raum führe ich.
Dein Leben führst du.